Alfred und der Aberglaube

Schwungvoll öffnete Alfred Meier die Eingangstüre zur Firma in der er arbeitete.
Zwei Männer waren gerade damit beschäftigt neue Neonröhren aufzuhängen und hatten dazu eine grosse Leiter aufgestellt. Vergnügt huschte Alfred unten durch.

„Schon das zweite schlechte Omen“, dachte er grinsend.

Zuerst war heute Morgen eine schwarze Katze vor ihm über die Strasse gehuscht und nun lief er auch noch unter einer Leiter durch. Nur gut, dass seine Frau das nicht gesehen hatte. Herta war im Gegensatz zu ihm nämlich sehr abergläubisch.

Sie glaubte auch nach über zwanzig Ehejahren immer noch daran, dass er nicht gemerkt hatte, dass sie ihm Erdnussbutter auf sein Pausenbrot strich, bevor sie alles unter einer dicken Schicht Erdbeermarmelade versteckte. Riechen konnte man nur noch die Früchte. Herta lebte in dem Glauben, dass Erdnussbutter gesund für ihn sei und er liess sie im Glauben, dass er das Brot ass. So waren beide zufrieden.

Alfred betrat sein Büro und wollte gerade den Pausenbeutel auf den Tisch stellen, als Olaf Osterwald, sein Abteilungsleiter herein kam. Meier stöhnte innerlich auf. Osterwald war der meist gehasste Mann in der Firma, er behandelte seine Untergebenen wie Leibeigene.

„Ach Meier, gut dass Sie schon hier sind. Kommen Sie doch bitte gleich mit in mein Büro. Ich muss mit Ihnen sprechen. Lassen Sie Ihre Jacke ruhig an, es wird nicht lange dauern.“
Zusammen mit Osterwald verliess Alfred den Raum und folgte seinem Chef in dessen Büro.

„Setzen Sie sich.“
Den Beutel auf seinen Knien, sass er seinem Abteilungsleiter gegenüber. Irgendwie war ihm unbehaglich zu Mute.
Osterwald drückte auf einen Knopf seiner Gegensprechanlage: „Frau Bellmann würden Sie bitte einen Augenblick herein kommen?“
Auf Meiers fragenden Blick antwortete er nur: „Muss sein, ich brauch einen Zeugen für dieses Gespräch.“
Das trug nicht gerade dazu bei, dass Alfred sich besser fühlte.

Die Türe ging auf, die Sekretärin trat ein und setzte sich auf einen Stuhl gleich neben der Türe.
Osterwalds Blick war auf eine grosse weisse Glaskugel gerichtet, die er ‚die magische Myrtha‘ nannte. Er war ein eingefleischter Hobby-Wahrsager, der es verstand, seinen ganzen Untergebenen mit seinen Prophezeiungen furchtbar auf die Nerven zu gehen

„Meier, ich rede nicht lange um den heissen Brei…Ähm hab ich Ihnen eigentlich schon gesagt, dass es die Sterne heute nicht gut mit Ihnen meinen?“
„Danke für die Mitteilung Herr Osterwald, aber deswegen haben Sie mich doch nicht in ihr Büro geholt, oder?“
„Ähm nein, natürlich nicht, nein Meier……..Sie sind gefeuert! Tut mir leid, aber die Weisung kam von ganz oben, ich bin machtlos dagegen!“
„Wie bitte, gefeuert? Weshalb?“
„Einsparungen, Rezession, der Boss will sein eigenes Gehalt aufbessern…..was weiss denn ich. Nehmen sie es nicht persönlich. Es gibt andere Stellen mit besseren Vorgesetzten.“ Dabei lachte Osterwald selbstgefällig auf.
„Ach ja, da ist noch was, hab vorhin gerade die ‚magische Myrtha‘ befragt.“
Seine Stimme wurde zu einem Flüstern. „Wussten Sie, dass es mit Ihnen an einem Freitag, dem 13., wenn der Vollmond am Himmel steht, ein ganz böses Ende nehmen wird?“

Meier stand ruckartig auf, sodass sein Stuhl zu Boden fiel, und schleuderte seinem Abteilungsleiter entgegen: „Und ich…hab ich Ihnen schon gesagt, dass…..dass…….“, da ihm nichts besseres einfiel, klatschte er den Beutel mit seinem Pausenbrot auf Osterwalds Tisch, „…dass Sie an meinem Pausenbrot ersticken werden?

Sie wissen doch genau, dass die Masche mit diesem Hokuspokus bei mir nicht zieht. Hat es noch nie und wird es auch nie. Wenn Sie mich sowieso raus schmeissen, kann ich Ihnen ja meine ehrliche Meinung sagen, das ganze ist Humbug…Schwachsinn…Quatsch…verstehen Sie Osterwald? Und ehrlich gesagt, finde ich Ihre Art, wie Sie mir meine Kündigung präsentieren zum Kotzen!“

„Na na, wer wird denn hier gleich so ausfallend werden. Ich kann ja schliesslich nichts dafür Meier“, erwiderte der Abteilungsleiter mit hämischem Grinsen.
„Kann ich jetzt gehen?“
„Ja, sie können wieder Ihre Arbeit aufnehmen, Meier.“

Wutentbrannt verliess Alfred das Büro. Osterwald lachte fies und lehnte sich genüsslich in seinem Sessel zurück. Das war ein Spass gewesen. Eigentlich hatten ihm seine Bosse selber überlassen, ob er Meier entlassen, oder ihn in eine andere Abteilung versetzen wollte. Da es heute in Strömen regnete, entschloss er sich kurzerhand, ihm zu kündigen.

Osterwald schielte in den Beutel hinein und schnupperte geniesserisch: „Mmmmh, Erdbeermarmelade. Holen Sie mir doch einen Kaffee dazu Frau Bellmann. Ich denke, unser Freund Meier wird sowieso keinen Hunger mehr verspüren nach dieser Nachricht.“
„Sofort Chef.“

*****

Alfred Meier war noch immer sehr in Rage.

Dieser Idiot konnte seine Scherze nicht einmal bei einem so ernsten Thema wie einer Kündigung bleiben lassen. Aber weshalb sollte er auch. Er hatte es doch sichtlich genossen, ihm zu kündigen. Nur was sollte er jetzt bloss tun? Weshalb wurde er so mir nichts dir nichts vor die Türe gesetzt?

Plötzlich fiel Alfred die Leiter ein, unter der er am Morgen in der Eingangshalle gelaufen war und in einem kurzen Anflug von Unsicherheit, fragte er sich, ob er ihr nicht doch besser ausgewichen wäre. „Jetzt fang du nicht auch noch an zu spinnen. Es reicht, wenn deine eigene Frau an solchen Unsinn glaubt“, schalt er sich selber.

Alfred steuerte die Cafeteria an, wo sich gerade sein Freund Klaus an einem Tisch niedergelassen hatte. Er setzte sich zu ihm.

„Wie siehst du denn aus Alfred? Du bist ja leichenblass.“
„Die haben mich raus geworfen.“
„Was? Wieso das denn?“

Meier zuckte nur mit den Schultern. In einem Anflug von Galgenhumor meinte er: „Herta würde jetzt wohl sagen, selber Schuld, hättest ja nicht unter der Leiter durch laufen müssen, du weisst ja wie abergläubisch meine Frau ist.“
„Was für eine Leiter?“
Alfred erzählte ihm, was es damit auf sich hatte. Auch die schwarze Katze erwähnte er.
Klaus grinste.
„Ach so. Ja, ich kann mich noch lebhaft an meinen letzten Besuch bei euch erinnern. Wie deine Frau krampfhaft versucht hat mich davon abzuhalten Segeln zu gehen, weil die Sterne schlecht für mich standen.“

Klaus und Alfred tranken ihren Kaffee aus und traten auf den Korridor, als sie plötzlich eine Sirene vernahmen und Osterwalds Sekretärin hektisch an ihnen vorbei zum Ausgang rannte. Kurz darauf liefen zwei Sanitäter mit einer Trage in Richtung Osterwalds Büro. Alfred und Klaus blieben stehen und schauten der eifrigen Geschäftigkeit zu.

Ein paar Minuten später verliessen die Sanitäter zusammen mit dem Abteilungsleiter auf der Trage, die Firma wieder. Frau Bellmann lief mit Tränen in den Augen hinterher.

„Was ist denn los?“ erkundigte sich Alfred bei ihr.
„Anaphylaktischer Schock!“
„Ana…….was?“
„Der Chef reagiert allergisch auf Erdnüsse. Er hat ihr Pausenbrot gegessen, dachte es sei ein Erdbeermarmeladenbrot. Nach dem ersten Bissen begann er plötzlich zu röcheln. Ich stand ja noch neben ihm. Hab dann sofort den Notarzt informiert und versucht, Osterwald erste Hilfe zu leisten. Aber es hat nichts mehr genützt. Er ist an ihrem Pausenbrot erstickt!“

Meier hatte einen Kloss im Hals. Was war denn jetzt los? Hatte sich die ganze Welt gegen ihn verschworen? Alle Farbe wich aus seinem Gesicht und er taumelte. Klaus fing ihn gerade noch rechtzeitig auf.

„Ja sag mal, was ist mit dir?“ Klaus führte seinen Freund in die Cafeteria und setzte ihm ein Glas Wasser vor.
„Hier trink das, das wird dir gut tun. Ich weiss, dass sich das jetzt nicht gehört, aber mit dem Osterwald hat’s schon den Richtigen erwischt, um den ist es nicht schade!“
Alfred entgegnete nichts. Er trank das Wasser in einem Zug aus und starrte wie hypnotisiert auf die Tischplatte. Er begriff nicht, was in der letzten Stunde passiert war.
Klaus griff sich die Zeitung, die auf dem Tisch lag und fing plötzlich an zu lachen.
„Hör mal Alfred, dein heutiges Horoskop:

Verlassen sie heute nach Möglichkeit ihr Haus nicht. Ihr Leben könnte sonst ausser Kontrolle geraten.  Gehen Sie schwarzen Katzen aus dem Weg und laufen Sie keinesfalls unter einer Leiter durch.

„Idiot“, zischte Alfred seinen Freund an.
„Hier lies selber!“ Er warf die Zeitung zu Alfred hinüber. Dieser überflog kurz die Zeilen und schaute entsetzt hoch.
„Das steht hier ja wirklich!“
„Sag ich doch! Bloss gut, dass du nicht abergläubisch bist Alfred, sonst hättest du wohl Morgen ein echtes Problem, hahaha!“
Mit tonloser Stimme fragte Alfred: „Wieso, was ist Morgen?“
„Hat dich deine Frau noch nicht davor gewarnt? Morgen ist Freitag, der 13. und auch noch Vollmond!“

©Rahel Sahler – Küchenstories Cook & Write – Oktober 2016

 

Süsse Erdnussbutter

Zutaten

  • 250 gr ungesalzene Erdnüsse
  • Vanillepaste und Honig

Zubereitung

  • Die Nüsse in einem Cutter ca. 3 Minuten pürieren, bis die Masse schön crèmig wird. Sollte die Masse zu fest sein, etwas Erdnussöl dazugeben. Vanillepaste und Honig dazu geben und alles schön vermischen.
  • In Gläser abfüllen und kühl stellen.
  • Die Erdnussbutter ist ca. 1 Monat haltbar
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Kennt ihr schon das KitchenAid Märchenbuch?

Hier erfahrt ihr Dinge, die man im Zusammenhang mit der KitchenAid-Küchenmaschine glauben kann, aber nicht glauben muss :-) Ich wünsche euch gute Unterhaltung.