Bloody Bruno

Wumm – Bruno Rasmussen wollte sich gerade in Richtung seines Kochs umdrehen, als ihn der unvermittelte Schlag auf seinen Hinterkopf traf und ihn nach vorne warf. Dabei drehte er sich um seine eigene Achse und schlug beim Fall auf den Boden mit dem Kopf so unglücklich auf die Tischkante, dass sein Genick mit einem hässlichen Knacken brach. Blut breitete sich auf dem Boden aus.

Mit zufriedenem Grinsen schaute Thomas auf seinen reglos daliegenden Chef, nahm die gefrorene Blutorange aus dem Plastiksack, den er sich eigens dafür von zu Hause mitgenommen hatte, legte die Frucht zu den anderen in den Mixer und drückte den Startknopf. Den Plastiksack stopfte er in seinen Rucksack mit der Absicht ihn zu Hause zu entsorgen. Dann kehrte er zurück zu seinem Opfer, fühlte den Puls und stellte mit grosser Genugtuung fest, dass es nichts mehr zu fühlen gab.

Mit einer Seelenruhe füllte der Koch den Blutorangensaft in einen neuen Krug um, stellte diesen in den Kühlschrank und den Mixkrug in den Geschirrspüler, welcher mit lautem Brummen seine Arbeit aufnahm.

Dann erst schlug er Alarm.

*******

Nach dreissig Minuten trafen Polizei, Spurensicherung und Arzt in der Küche des Restaurant La Traviata ein, wo Thomas Helbling bereits auf sie wartete. Nach den ersten üblichen Routinefragen wollte der Kommissar von ihm wissen:  «Hatte ihr Chef Feinde?»

Helbling musste sich beherrschen, um nicht laut zu lachen. Bruno Rasmussen hatte mehr Feinde gehabt als ein Mafia-Boss. Diese Tatsache behielt er allerdings für sich und antwortete stattdessen: « Es gab schon ein paar Leute, die ihm nicht so gut gesonnen waren. Z.B. der Wirt vom Goldenen Ochsen und auch sein Bruder waren nicht gut auf ihn zu sprechen.»

«Wie das?»

«Der Ochsen-Wirt hat ihm vorgeworfen, dass er ihn in absichtlich bei Gästen schlechtmache und sein Bruder hat ihn gehasst, weil er ihm die Frau ausgespannt hat.»

«Und wie steht es mit dem Personal? Gab es da auch Auseinandersetzungen mit dem Chef?»

«Na ja, Herr Rasmussen war nicht gerade für sein Fingerspitzengefühl bekannt. Rücksicht auf Mitarbeiter hat er keine genommen, was schon zu der einen oder anderen Spannung geführt hat. Wer es wagte ihm zu widersprechen, fand sich schnell auf der Strasse wieder.»

«Und Sie, Herr Helbling? Wie war denn ihr Verhältnis zum Chef?»

«Wir hatten auch unsere Differenzen, aber die hielten sich in Grenzen. Unsere Küche ist bekannt und beliebt, deshalb hat sich der Chef aus meinem Bereich meistens rausgehalten.» Grinsend fügte er noch hinzu: «Er konnte zwar viel, aber vom Kochen verstand er etwa gleichviel wie ein Fisch von Rechtschreibung.»

Dass Bruno Rasmussen ihn beruflich vernichten wollte, hielt er für nur mässig erwähnenswert und liess es deshalb bleiben. Der Chef hatte entdeckt, dass sein Koch für das Verschwinden von teuren Weinflaschen verantwortlich war, bisher jedoch glücklicherweise Stillschweigen darüber bewahrt. Nun wollte er es allerdings öffentlich machen. Das konnte Thomas nicht zulassen.

«Gut Herr Helbling, das war’s fürs Erste. Sie werden informiert, sobald sie die Küche wieder benutzen können.»

Nach zwei Tagen wurde sein Arbeitsplatz durch die Polizei wieder frei gegeben.

Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, dass es sich um einen sehr harten Gegenstand gehandelt haben musste, der das Opfer getroffen hatte. Man fand Plastikpartikel eines gewöhnlichen Tiefkühlbeutels, wie er in tausenden von Haushalten verwendet wird, in der Wunde. Die Platzwunde am Hinterkopf gab der Polizei weiterhin Rätsel auf. Die Todesursache war jedoch klar auf einen Genickbruch zurückzuführen; der Fall wurde zu den Akten gelegt.

*******

Auf Thomas Helblings Vorschlag hin hatten sich alle Mitarbeiter des La Traviata im Restaurant eingefunden, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.

«Was haltet ihr davon, wenn wir zum Gedenken an unseren Chef ein Glas auf ihn trinken?»

Seine Frage fand allgemeinen Zuspruch und er verschwand kurz in der Küche.

Er mischte Gin, Zitronensaft, Kirschnektar mit Likör 43 und dem Blutorangensaft aus dem Kühlschrank, füllte Cocktailgläser damit und gesellte sich mit dem Tablett wieder zu seinen Kollegen.

«Zu Ehren von Bruno, habe ich einen neuen Cocktail gemixt, den wir ihm widmen wollen.»

Thomas Helbling hob sein Glas. «Auf unseren Chef, Bruno Rasmussen. Er wird immer ein Teil von uns bleiben. Möge er in Frieden ruhen!»

©Rahel Sahler – Küchenstories Cook & Write – Oktober 2016

Bloody Bruno

Zutaten

  • 3 cl Likör 43 (spanischer Likör aus 43 Zutaten)
  • 2 cl Wodka
  • 1 cl Rohrzucker
  • 8 cl Blutorangensaft
  • 4 cl Ananassaft
  • 2 Eiswürfel

Zubereitung

  • Alles zusammen im Cocktailshaker mit den Eiswürfeln mischen und in ein Glas füllen.
  • Je nach Geschmack dekorieren. Prost!
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Kennt ihr schon das KitchenAid Märchenbuch?

Hier erfahrt ihr Dinge, die man im Zusammenhang mit der KitchenAid-Küchenmaschine glauben kann, aber nicht glauben muss :-) Ich wünsche euch gute Unterhaltung.